Scham überwinden - Lebensqualität erhöhenDie Paracelsus-Klinik Golzheim, das Evangelische Krankenhaus Düsseldorf und niedergelassene Fachärzte haben mit dem „KONZ“ eine Anlaufstelle für Patienten mit Inkontinenzproblemen geschaffen. Wenn Patienten ihren Urin oder Stuhl nicht mehr kontrolliert zurückhalten können, spricht der Arzt von Je nach Alter und der bereits bestehenden Dauer der Inkontinenz kann den Frauen auf konservativem Weg – z.B. mit einem speziellen Physiotherapieangebot – gut geholfen werden. Es sei denn, der Harnverlust ist sehr häufig und auch schon über viele Jahre oder Jahrzehnte „Routine“. Dann hilft meist nur noch eine Operation, z.B. die sog. Schlingen-Operation (TVT), eine schonende OP, bei der über die Scheide ein künstliches Band unter die Harnröhre gelegt wird, welches den Beckenboden unterstützt. Selbst junge Frauen leiden unter der Belastungs-Inkontinenz. Viele gehen mit ihren Beschwerden, die für sie eine massive Verschlechterung der Lebensqualität bedeutet, aus Scham nicht zu einem Arzt. Dabei kann ihnen meist sehr gut geholfen werden und ein Leben ohne Binden oder Einlagen wird wieder möglich. Auch die Dranginkontinenz der Frauen mindert das Lebensgefühl. Bei vielen sogar in großem Ausmaß: wer an Dranginkontinenz leidet, muss ständig auf die Toilette. Der oft schmerzhafte Harndrang kommt sehr plötzlich und heftig, im Anschluss sofort auch der Harn. Oft schaffen es die Patientinnen nicht mehr auf die Toilette. Tag und Nacht sind sie mit ihrer Inkontinenz beschäftigt. Ein Gang in die Stadt, eine Fahrt mit dem Auto, ein Spaziergang am Rhein – immerzu brauchen die Betroffenen eine Toilette. In den meisten Fällen sind die Ursachen für dieses Krankheitsbild unklar. Erkrankungen wie Diabetes oder Infekte der Blase können dazu führen, im Laufe der Diagnostik werden auch immer neurologische Störungen ausgeschlossen. Diesen Patientinnen kann über konservative Behandlungsmethoden – Beckenbodentraining, Physiotherapie, Elektrostimulation und medikamentöse Therapie – geholfen werden. Auch ein Blasentraining ist möglich. Bei gleich bleibender täglicher Trinkmenge Neben der Dranginkontinenz, die bei Männern auch durch eine Prostatavergrößerung bedingt sein kann, kann es nach Operationen an der Prostata oder der Prostataentferung bei Prostatakrebs zu einer Belastungsinkontinenz kommen. Die Kraft des Schließmuskels reicht zum Verschluß der Harnröhre bei Belastung nicht aus. Für Männer gibt es spezielle Behandlungsformen, den Harnverlust zu minimieren. Erfolgreich ist oft die sogenannte Band-OP, auch "Schlinge für den Mann" genannt. Mit dieser speziellen Operationstechnik versucht man, die ursprüngliche Anatomie des männlichen Harnapparates wieder herzustellen. Ein etwa vier Zentimeter großer Schnitt ist hier nötig. Der Chirurg legt den hinteren Harnröhrenteil frei und positioniert ein Band aus einem netzförmigen Kunststoffmaterial (Polypropylen). Der Schließmuskel wird so in seiner Funktion unterstützt und es kommt nicht mehr zum unfreiwiligen Harnverlust. Komplikationen sind selten und die Erfolgsquote ist hoch. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt kann der Patient dann wieder nach Hause. Wenn alle Methoden versagen, kann auch ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden. Dabei verschließt ein aufblasbares Ballonsystem die Harnröhre. Mittels einer unter der Haut liegenden kleinen Pumpe kann der Patient das System beliebig steuern. Die mit Flüssigkeit gefüllte Manschette umschließt mit sanftem Druck die Harnröhre. Zum Wasserlassen wird die Manschette durch mehrmaliges Drücken der Pumpe geöffnet. Damit fließt die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ballon. Da die leere Manschette die Harnblase nicht mehr verschließt, kann sich der Harn aus der Blase entleeren. Die Flüssigkeit fließt dann in wenigen Minuten zurück in die Manschette und verschließt damit die Harnröhre erneut. Auch Kinder leiden häufig unter Inkontinenz, d.h. unter Einnässen am Tag und in der Nacht oder unter Einkoten. Die Ärzte der Kinderklinik haben dabei die besondere Aufgabe, das Erlernen der Kontinenz, das durchaus auch über einen längeren Zeitraum von kleinen und großen „Malheurs“ begleitet wird, von einer Inkontinenz zu unterscheiden und die Eltern entsprechend zu beraten. Die Kinderklinik bietet Eltern und Kindern die Diagnostik und Beratung bei Inkontinenz. Dabei klärt sie mit einer ausführlichen Erhebung der Vorgeschichte, zu der u.a. kinderneurologische Untersuchungen, Bauchultraschall oder Restharnprüfung gehören, ob ein organischer Befund vorliegt. Liegt keiner vor, dann gehört zum Leistungsspektrum der Kinderklinik auch eine psychologische Diagnostik und Empfehlung. In manchen Fällen sind auch spezielle, an das Kindesalter angepasste Untersuchungen zur Abklärung angeborener Fehlbildungen notwendig, die durch die kinderurologischen Spezialisten der Paracelsus Klinik Golzheim durchgeführt werden. „Wir wollen Inkontinenz aus der Tabuzone herausholen und Patienten auf kurzem Weg eine optimale Betreuung bieten“, erklärt Christian von den Driesch, Verwaltungsdirektor der Paracelsus-Klinik Golzheim. Aus diesem Grund haben die Fachklinik für Urologie und Kinderurologie, das Evangelische Krankenhaus mit dem Urologennetz Region Düsseldorf und niedergelassenen Gynäkologen das erste Kontinenzzentrum ins Düsseldorf gegründet. Mit Unterzeichnung der Gründungsurkunde am 16. März 2007 gibt es jetzt für Patienten mit Inkontinenzproblemen eine zentrale Anlaufstelle in Düsseldorf, das Kontinenzzentrum Düsseldorf, kurz KONZ. Sitz des Zentrums ist das Koordinierungsbüro im Erdgeschoss des Evangelischen Krankenhauses. Fachärzte arbeiten Hand in Hand. Besonders wichtig ist im KONZ die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Fachärzten im neuen Netzwerk, die ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen dem stationären und ambulanten Bereich ermöglicht, Behandlungsstandards abstimmt und so ein gemeinsames Therapieangebot für die Patientinnen und Patienten vorhält. Ob Frauen, Männer oder Kinder, ob Harn oder Stuhlinkontinzenz – das KONZ ist Partner bei allen Fragen der Inkontinenz. Die große Erfahrung der Experten zeigt, dass vielen Patientinnen und Patienten langfristig geholfen werden kann. Denn ein Leben ohne Inkontinenz bedeutet auf jeden Fall eine höhere Lebensqualität.
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